Ich saß vor meinem Bildschirm und las das Ergebnis meines Persönlichkeitstests und kam aus dem Nicken gar nicht mehr heraus. Absatz für Absatz fühlte es sich an, als hätte mir jemand heimlich über die Schulter geschaut. INFJ. Das passte wie die Faust aufs Auge. Seitdem sehe ich, wie ich als INFJ bloggen möchte: leise, ehrlich und ohne mich zu verbiegen.
Klar weiß ich, dass Persönlichkeitstest nicht die ganze Wahrheit über einen Menschen erzählen. Für mich war das Ergebnis des Test trotzdem ein Aha-Moment, und genau davon möchte ich dir heute erzählen. Davon, wie diese Persönlichkeit meinen Blog prägt, was dadurch leichter wird und wo sie mir ordentlich im Weg steht.
Mein Ergebnis gehört übrigens zu den seltensten Typen überhaupt. Laut Persönlichkeitstest machen INFJs nur rund 1% der Bevölkerung aus. Und ich gebe zu, dass mich das Ergebnis beim Lesen fast ein bisschen erschreckt hat, so genau hat es mich beschrieben.
INFJ Bedeutung: Wofür steht die Abkürzung
Beim Myers-Briggs-Typindikator wird zwischen vier Dimensionen unterschieden, von denen immer zwei miteinander kombinierbar sind. Deshalb gibt es insgesamt 16 unterschiedliche Typen:
- Introversion (I) / Extraversion (E)
- Intuition (N) / Sensing (S)
- Feeling (F) / Thinking (T)
- Judging (J) / Perceiving (P)
Der mit Abstand am seltenste Typ ist die INFJ-Persölichkeit. Die Abkürzung steht für Introversion (Introvertiertheit), Intuition (ausgeprägte Intuition), Feeling (Fühler), Judging (Beurteiler).
“I” wie Introvertiert und warum ich Social Media nicht mag
Als ich mit dem Bloggen und mit Pinterest-Marketing angefangen habe, dachte ich: Ohne Social-Media geht es nicht. Und weil sich in mir alles gesträubt hat, habe ich es gleich bleiben lassen. Ich habe es nicht einmal versucht. Ehrlich gesagt bin ich auf Facebook und Co. nur unterwegs, um mit Freundinnen und Freunden in Kontakt zu bleiben, die auf der ganzen Welt verstreut leben.
Ich bin kein “Marktschreier” und ich möchte auch keiner werden. Früher habe ich das für eine Schwäche gehalten, denn alle anderen sind gefühlt Dauerpräsent auf Social Media. Mein Blog und mein Marketing sind leise, weil ich leise bin und deswegen fühlt sich das für mich auch richtig an.
Der Test hat mir dafür eine Erklärung geliefert. INFJs brauchen Sinn und Unabhängigkeit in ihrer Arbeit und machen sich deshalb oft selbstständig. Berufe mit viel Druck, Kritik und Verkauf liegen ihnen eher nicht. Das passt zu mir und zu dem Weg, den ich mit meinem Blog gehe.
“N” für Intuition: Mein Stimmungsradar
Die Intuition wird oft auch als Bauchgefühl bezeichnet. Als intuitiver Mensch habe ich so eine Art inneren Sensor, der im Hintergrund praktisch immer läuft. Ich kann mich gut in andere Menschen hineinversetzen. Wenn ich einen Raum betrete, muss niemand ein Wort sagen, und ich spüre sofort die Stimmung. Ist sie schlecht, versuche ich fast automatsch sie ein bisschen zu verbessern.
Beim Schreiben hilft mir das enorm. Beim Schreiben eines Artikels habe ich sehr schnell eine einzelne Leserin mit ihren Zweifeln und Fragen vor Augen. Ich schreibe für sie statt für “die Zielgruppe”. Das macht Texte persönlicher.
“F” wie Fühler: Ich spüre, wie es meinem Gegenüber geht
Ich bin eine Fühlerin, und das merke ich bei vielem, was ich tue. Ich spüre, wie es den Menschen um mich herum geht, und kümmere mich gern um sie. Bei Entscheidungen höre ich zuerst auf mein Bauchgefühl. Wichtige Entscheidungen treffe ich nicht nach Tabellen und Zahlen, sondern danach, wie sich etwas anfühlt. Genau deshalb habe ich keine Lust auf Social Media. Es hat sich nicht stimmig angefühlt, also habe ich die Finger davon gelassen. Nur weil “man das halt so macht”, muss ich das nicht so machen.
Ganz auf mein Bauchgefühl verlasse ich mich allerdings nicht. Ich prüfe gern die Fakten und plane im voraus, bevor ich mich entscheide. Dieses Zusammenspiel aus Gefühl und Planung beschreibt der Test ebenfalls, und es passt gut zu meiner Arbeit, in der ich Inhalte lieber früher vorbereite, als im letzten Moment zu hetzen.
“J” Judging (Beurteiler): Ordnung, Planung und ein Herz für Gerechtigkeit
Der letzte Buchstabe in meinem Ergebnis steht für “Judging”. Auf Deutsch Beurteiler mögen Beständigkeit und Ordnung und planen am liebsten jeden Lebensbereich bis ins kleinste Detail durch. Überraschungen mag ich überhaupt nicht. Ich wäge erst die Fakten ab, bevor ich eine wohlüberlegte Entscheidung treffe.
Das passt zu mir. Ich habe es gern geordnet, ich plane gern voraus und Überraschungen mach ich überhaupt nicht. Vielleicht hängt dieses Bedürfnis nach Kontrolle auch mit meinem Perfektionismus zusammen, von dem ich gleich noch erzähle.
Alle diese Merkmale zusammen machen den INFJ laut Test zum “Advokaten”. Der Name kommt von seinem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, seinem Idealismus und seinem Einfühlungsvermögen. Auch darin erkenne ich mich wieder. Ich möchte, dass es fair zugeht und dass sich Menschen bei mir gut aufgehoben fühlen.
Wo mich mein Perfektionismus ausbremst
In meinem Backend liegen sie, meine “Entwurf-Leichen”. Ich bin bei Judith Peters im VIB-Programm dabei und bekomme dort jede Woche Anregungen für ein neues Blogthema. Zu fast jedem Thema habe ich auch einen Artikel geschrieben. Veröffentlicht habe ich bei weitem nicht alle, weil ich bei jedem denke: “Das ist noch nicht gut genug.”
Aber ob sie gut genug sind, kann ich an dieser Stelle gar nicht beurteilen. Ich vergleiche jeden Text mit der Version in meinem Kopf, und die kennt außer mir ja niemand. Die Leserin sieht nur den Artikel, der vor ihr liegt, und der enthält meistens genau das, wonach sie gesucht hat. So warten die Entwürfe weiter darauf, dass ich mich endlich traue, und ich warte darauf, dass sich dieses Gefühl von selbst legt. Das tut es leider nicht.
Ein Teil davon ist sicher die Angst vor Kritik. INFJs nehmen sich Kritik laut Test sehr zu Herzen und gehen Konflikten am liebsten aus dem Weg. Und genau so geht es mir. Solange ein Artikel im Entwurf liegt, kann ihn niemand kritisieren.
Dazu kommt, dass ich schlecht Nein sagen kann. Oft biete ich meine Hilfe an, obwohl noch gar niemand danach gefragt hat. Das kostet mich Kraft und Zeit, die dann bei meinen eigenen Projekten fehlt. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum meine eigenen Artikel so lange im Entwurf bleiben: Alles andere kommt zuerst.
INFJs vernachlässigen oft ihre eigenen Bedürfnisse, weil sie so sehr auf das Wohl der anderen achten. Als mögliches Lebensmotto nennt der Persönlichkeitstest “Hilf mir, dir zu helfen” und darin erkenne ich mich wieder.
Warum der Test für mich eine Orientierungshilfe ist
Früher habe ich mich nach vielen Situationen gefragt: “Warum habe ich das jetzt gesagt?” oder “Warum habe ich das jetzt getan?” Seit dem Test verstehe ich meine Reaktionen besser. Für mich ist er keine Schublade, in die ich mich stecke, sondern eher eine Landkarte, auf der ich mich zum ersten Mal wiederfinde.
Drei Impulse für dich
Beobachte dich ein paar Tage lang. Notiere dir abends eine Situation, in der du anders gehandelt hast, als du wolltest, und schreib daneben, was dich in dem Moment bewegt hat. Schon nach kurzer Zeit erkennst du Muster, die dir vorher gar nicht aufgefallen sind.
Wähle Kanäle, die zu dir passen. Du musst nicht überall sichtbar sein. Wenn sich Reels und tägliche Stories für dich falsch anfühlen, darfst du sie weglassen und stattdessen auf Wege setzten, die leise arbeiten, wie etwa ein Blog oder Pinterest.
Veröffentliche, bevor es sich perfekt anfühlt. Dieser Impuls kommt aus eigener Erfahrung, denn ich übe ihn gerade selbst. Niemand kennt die Version in deinem Kopf. Lies deinen Text noch einmal als Leserin, die ihn zum ersten Mal sieht, und prüfe nur zwei Dinge: Ist er er hilfreich, und ist er verständlich? Wenn du beides mit “ja” beantwortest, darf er raus.
Ein guter Artikel, der online steht, hilft mehr als ein perfekter, der im Backend liegt. Wenn du wie ich einen Stapel unveröffentlichter Entwürfe hast, such dir einen davon aus, überarbeite ihn eine Runde und veröffentliche ihn, ohne ihn danach noch einmal zu öffnen. Ein Entwurf pro Woche reicht völlig, und mit jedem, der draußen ist, wird der nächste leichter.
Eine Einladung an dich
Ein Punkt aus dem Test begleitet mich besonders: INFJs möchten ohne Fassade leben und sich nicht verstellen. Genau das ist der Grund warum mir diese Einladung am Herzen liegt.
Nimm dir heute einen Moment und denke über deine eigene Persönlichkeit nach. Was an dir ist leise, was laut und was davon darf in dein Business einfließen. Du musst dich für ein

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